Sei mein Engel

Gehst Du und kommst nicht mehr zurück?
Dann geh, denn müde wohl Dein Blick.
Schau auf mich und zeige mir
die Welt, aus der Du gingst, von hier.

Hilf mir alles so zu sehen wie Du,
führe mich und schließ` mein Herz nicht zu.
Und wenn ich mal nicht weiter weiß
dann leite mich ganz leis`.

Sei meine Schulter, sei mein Licht,
gib mir Mut, mehr brauch ich nicht.
Und fühl` ich mich mal leer und taub,
dann sei mein Engel und lach ganz laut.

Jana Ulbrich

Bild einer schwarzen Rose

Sie

Sie mochte weiße Rosen,
doch kann sie sie nicht sehn`.
Trug Röcke nie, nur Hosen
und kann darin nicht gehn`.

Sie mochte Trauerlieder,
heute spielen sie für sie.
Sie sprach viel und immer wieder,
heute sprechen sie für sie.

Sie mochte gern das Meer
und kann es nicht mehr fühlen.
Den Sand und auch die Sonne sehr,
heute wird nur Erde sie noch kühlen.

Jana Ulbrich

Janas Sammlung von Gedichten und Gedanken

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Am Grab

Pflanzt mir auf`s Grab die Rose nicht,
wild wachsen soll ein Dornenstrauch.
Soll erstrahlen in hellem feinen Licht,
umschlingend zart, so ist mein Brauch.

Pflanzt mir Efeu in sanftem Grün,
sich rankend um einen weißen Stein.
Er soll ewig an meinem Grabe blühn,
denn so will ich hier in Erinnerung sein.

Stiefmütterchen pflanzt mir auf keinen Fall,
die hab´ ich im Leben schon gemieden.
Sie sind des Grabes Donnerknall
und bleiben nur eine Saison lang liegen.

Pflanzt mir Schneeglöckchen oder Narzissen,
die hatte ich schon als kleines Mädchen gern.
Und blühn´ sie mal nicht, sollt sie nicht missen,
denn jede Nacht leuchtet auch der Himmelsstern.

Jana Ulbrich

Moment des Abschieds

Den Himmel nur noch mit Schwermut berühren
und Loslassen was man einst gemeinsam begonnen.
Die Sehnsucht des Andern nicht mehr zu spüren,
ist ein Schmerz, der in Trauer verschwommen.

Sterne zu malen, wenn Dein Licht für mich scheint,
die Farbe aber ist so leer und bald verblasst.
Meinen Frieden mit Dir zu wollen, fast wie vereint
und einen Kummer, der mich nie mehr verpasst.

Am Grabe zu stehen und einmal Deine Stimme hören,
und dann sehen, was immer man noch glaubt.
Deine Liebe für mich vor dem Gehen zu stören,
wie schön, doch schwereloses Geläut macht mich taub.

Glocken die läuten, den letzten Weg nur für Dich.
und ich möchte so gern mit Dir Spazieren gehen.
Mit einer Stärke die ungetröstet bleibt für mich,
denn niemals werd` ich diesen Moment verstehen.

Jana Ulbrich

Die Flügel des Lebens

Die Flügel des Lebens, sie schwingen nicht mehr
mit jedem Atemzug wurden sie fort getragen.
Bis der Herzschlag versiegte, bis alles leer.
Und wir sind noch hier und müssen alles ertragen.

Man ist nicht für immer verschwunden
nur die Farben, die das Leben einst malte
hinterlassen viele kleine Wunden
die ich nun mit Kummer bezahlte.

Wider und wider sind Lieder zu hören
die meinen Schmerz jetzt begleiten
gesungen von schönen Engelschören
nun darüber lässt sich wohl streiten.

Du hast die Farben ja doch mitgenommen,
ist alles grau hier, fahl hier und auch kalt
dein Leben hatte einst begonnen,
nun musstest du gehen und warst nicht mal alt!

Jana Ulbrich

Aber da gab es doch Dinge
die wir noch tun wollten

... da ist das Eis was ich mit Dir essen wollte ...
... der Spaziergang den ich mit Dir gehen wollte ...
... den Film den ich mit Dir sehen wollte ...
... das Wort was ich Dir noch sagen wollte ...
... den Ort den ich Dir noch zeigen wollte ...
... den Arzt den ich das noch fragen wollte ...
... dem Pfleger dem ich das noch zeigen wollte ...
    und der Himmel der noch auf Dich warten sollte ...

Jana Ulbrich

Erwin Semper

Erwin Semper
*
22. Juni 1934      †06.März 2013

Gräber verlassen

Gräber verlassen, wahrscheinlich vergessen,
sie sind verwachsen und nicht gepflegt.
Viele Jahre schon, wohl an der Zeit gemessen,
so hab ich durch den Friedhof gespäht.

Wer kümmerte sich einst um dieses Grab
und pflegte die Trauer an diesem Ort.
Warum sind sie nicht bis zum Schluss geblieben,
vielleicht konnten sie nicht mehr und mussten selbst fort

Jana Ulbrich

Ruhe sanft

Ruhe sanft in Flügels-Schwingen,
schwerelos ist nun Dein Lauf.
Höre wie die Engel singen,
wenn sie Dich tragen, zum Himmel hinauf.

Alle Last fällt von Deiner Seele,
so wie Du es Dir verdient.
Und vorbei, Du gehst, ich verstehe,
Du hast dem irdischen Hiersein gedient.

Jana Ulbrich

Schau micht mehr zurück

Fühl dich hier geborgen,
schau nicht mehr zurück.
Mach dir keine Sorgen,
du bist unser Glück.

Frei und ohne Schmerzen,
durch die Wolken schweben.
Für immer in unseren Herzen,
Hast uns so viel gegeben.

Nein, du musst nicht weinen,
wir sind nicht ohne dich.
Du bist bei diesem oder einem,
als Liebe, die einem Wunder glich.

Jana Ulbrich

Zweiseitiger Frühling

Beflügelnd trägt mich meine Sonne,
zeichnet Wärme, leuchtet hell,
zieht Wasser aus der Regentonne,
große Tropfen klar und schnell.
Starke Äste in den Bäumen,
welche wie vom Wind gestreichelt,
wollen in den Abend träumen,
weil ihnen der Abend länger schmeichelt.
Auf der Leine mit gespanntem Blicke
trägt die Wäsche ihre Klammern,
im Himmel spielt noch eine Mücke,
die dort lauscht, wie Katzen jammern.
Noch einmal wiegt mich diese Wonne
mit dem Winde hin und her,
nun für immer schläft die Sonne,
scheint sie noch? Sie scheint nicht mehr.

Jana Ulbrich